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Sonntag, 7. Juni 2015

Skoliosegeschichte / Warum ich meinen Korsetts keine Namen gab

Für eine Zwölfjährige, die ohnehin von zermürbenden Selbstzweifeln geplagt ist und sich regelmäßig wünscht, im Erdboden zu versinken, kann eine solche Diagnose zum Horrorszenario werden: "Du hast eine starke Skoliose von 42°. (Wie genau das gemessen wird, kann man hier nachlesen.) Du brauchst ein Korsett. Wenn du es nicht mindestens 23 Stunden täglich trägst, wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit noch schlimmer, dann müssen wir deinen Rücken aufschneiden und dir mehrere Metallstangen einbauen. (Kurzum: Mach, was wir dir sagen, sonst wirst du dich für den Rest deines Lebens nicht mehr frei bewegen können.)"

Von heißen Gipsabdrücken über etliche Röntgenaufnahmen bis hin zu stundenlangen Besuchen der orthopädischen Abteile verschiedener Krankenhäuser habe ich alles über mich ergehen lassen - Es ging immerhin um die Schönheit meines weniger entzückenden Rückens und um mögliche Schmerzen und Atemprobleme in ferner Zukunft. -, um die darauffolgenden Wochen, Monate und sogar Jahre mit abgeklemmten Nerven im schwitzigen Wegbegleiter zu verbringen und eine verheulte Nacht nach der anderen wach zu liegen.

Korsetts

Zuvor hatte ich in diversen Foren und weniger hilfreichen Ratgebern wie "Ich habe Skoliose" von Erfolgsgeschichten gelesen, von Mädchen, die ihrem Korsett liebevoll den Namen Hartmut gaben und dankbar dafür waren, dass ein pubertärer Junge sich erbarmte, sich trotz des zur Unkenntlichkeit verkrüppelten Körpers ihren Freund zu nennen. Mir blieb all das ein unergründliches Rätsel. Mein Korsett kam nicht mit mir ins Bett und nach der Schule landete es in der hintersten Ecke meines Zimmers. Die Krankengymnastik war um einiges zusagender, nach einer Weile hieß es jedoch, es sei nicht genug. Irgendwann stießt ich glücklicherweise auf einen ein Fitnessstudio betreibenden Heilpraktiker, der mich vom Plastikgehäuse erlöste und mir nur noch Behandlungen und Krafttraining verschrieb. Die drei Korsetts, die für eine unglaubliche Menge Geld individuell für mich angefertigt worden waren, landeten also hoch oben auf dem Schrank (Jetzt liegen sie gerade in der Wertstofftonne, wo sie morgen hoffentlich abgeholt werden.) und ich ging von da an dreimal die Woche trainieren.

Mit fünfzehn folgte aufgrund des Auslandsaufenthalts eine einjährige Pause. Inzwischen bin ich siebzehn und habe den Vertrag vor Kurzem gekündigt. Der Sport hat mir mit Sicherheit sehr geholfen und dem Heilpraktiker bin ich für seine lehrreichen Exkurse, Aufmunterungen und (der Chiropraktik bzw. Manualtherapie entsprechenden) Behandlungen wirklich dankbar. Einige Termine bei einer achtzigjährigen Feldenkraislerin (Eine einfache Beschreibung des Begriffs ist hier zu finden.) brachten mich allerdings erneut ins Grübeln. Im Fitnessstudio achtete ich also auf mein Gefühl und stellte fest, dass mir sowohl Training als auch regelmäßiges Einrenken mittlerweile zu grob geworden sind und zudem gegen akute Blockaden gar nicht mehr helfen. Wie die Dame mir erklärte, ist es auch eher destruktiv, Wirbel und Gelenke ständig auseinander zu ziehen, weil dadurch jedes Mal einige Fasern der umgebenden Muskulatur reißen würden.

Momentan hopse ich einfach durch den Garten, fahre Fahrrad und mache ab und zu Yoga. Vielleicht schaue ich mal in einem Studio vorbei. Meinem Rücken geht es erstaunlich gut, Freundinnen höre ich jedenfalls viel häufiger über Schmerzen klagen, und der Rückenbuckel kann mir gar nichts ab. Zwei Dinge habe ich in den vergangenen fünf Jahren auf mal mehr, mal weniger schmerzvolle Weise gelernt: (1) Jeder meint zu wissen, was für deine Gesundheit am besten ist, aber was du eigentlich brauchst, das weißt nur du. (Dass sich dies auch auf alle anderen Bereiche des Lebens bezieht, muss ich wohl noch verinnerlichen.) (2) Jeder Körper ist ganz besonders. Ja, sogar ein krummer Rücken kann entzücken, genau wie ein ebener Rücken, schiefe Zähne, gerade Zähne, lange und kurze Beine, Monobrauen, keine Brauen, dellige Pos, straffe Pos, dünnes und dickes Haar, kräftige Waden, schlanke Waden, knubbelige und feingliedrige Füße, Pausbacken und eingefallene Wangen.

Allen Skoliotiker(inne)n und Angehörigen kann ich nur allzu wärmstens empfehlen, sich außerhalb des ärztlichen Angebots umzuschauen, eine Operation mehr als ausreichend zu überdenken und nicht den Mut zu verlieren. Falls es im Erwachsenenalter zu schweren Einschränkungen der Lungenfunktion kommen sollte, gibt es bestimmt auch dann noch Eingriffsmöglichkeiten und bis dahin ist es meiner Meinung nach am sinnvollsten, ganz sanft und vorsichtig an die Sache ranzugehen, denn Körper und Seele eines Jugendlichen haben schon genug zu kämpfen.
Alle von Rückgratverkrümmungen der Mitmenschen Faszinierten bzw. Befremdeten bitte ich, wie sonst auch wahrhaft interessiert und liebevoll mit den Betroffenen umzugehen oder die komische "Fehlstellung" diskret und freundlich zu ignorieren.

Rücken

Samstag, 6. Juni 2015

Erste Ernte

In den vergangenen Monaten, die heimlich, still und leise an diesem Blog vorbeizogen, ist im Garten (während es auf meinem Kopf aus einer Laune heraus eher kahl zuging) so einiges gewachsen...

Spinat #2Spinat #1
Spinat, der bereits in Form von Smoothie, Salat und Quiche verzehrt wurde,

Zwiebel


Zwiebeln, die in Bälde ebenfalls ihren Weg aus der Erde finden werden,

Walderdbeeren

Walderdbeeren, ganz frisch und süß von der Wiese,

Bohnen
Bohnen, denen der Kampf gegen die Schnecken am schwersten fiel - Bisher halfen nur Plastikflaschenschutz und Bierfallen, aufgrund deren ich mich nun wohl weder umweltfreundlich noch vegan nennen darf. -,

Salbei
Salbeiblüten
und Salbeiblüten, die fein schmecken und hübsch aussehen. Nicht abgebildet: Wildkräuter (Giersch, Labkraut, Knoblauchrauke und Brennnessel), Holunderblüten, Stachelbeeren, Liebstöckel, Zucchini, zwei Erdbeeren und einige Kirschen. Auch außerhalb der eigenen vier Zäune ging das Leben weiter. Inzwischen neigt sich ein weiteres Schuljahr dem Ende zu und das allerletzte rückt immer näher. Für manch eine(n) mag das beängstigend oder traurig sein, ich werde mich riesig freuen und drei Kreuze machen.

Samstag, 17. Januar 2015

Draw Outside #1

Frans Blog verfolge ich schon seit einer Weile ganz begeistert und habe mich sehr gefreut, als sie auf die tolle Idee dieser Aktion kam. Sie lädt dazu ein, ein Jahr lang einmal im Monat die eigenen vier Wände samt Skizzenbuch und Zeichenutensilien zu verlassen und in einem Museum, einer Galerie, einem Botanische Garten, in der Stadt oder in der Natur kreativ zu werden und das Ergebnis später unter dem Hashtag #DRAWOUTSIDE mit ihr zu teilen. Da kam es wirklich gelegen, als eine Freundin neulich vorschlug, sich die Degas-Ausstellung in der Kunsthalle anzuschauen. Das Zeichnen außerhalb meines Zimmers (und des Kunstunterrichts) war eine neue Erfahrung für mich und hat mir erstaunlicherweise große Freude gemacht. Am besten gefallen hat mir vermutlich Edgar Degas Stempel, mit dem er seine Bilder unterzeichnete, aber auch seine Radierungen und Landschaftsbilder waren beeindruckend. Was das kleine Wesen im roten Schlafsack eigentlich darstellen sollte, weiß ich nicht - das Gemälde handelte wohl von irgendeiner Schlacht.
Da wir gerade bei Blog-Aktionen sind, wollte ich noch gerne Arianes "bildsprache" und diese "30-Day Minimalism Challenge" erwähnen. Vielleicht sagt euch ja einer dieser drei Herausforderungen zu. Viel Spaß beim Zeichnen, Fotografieren und Ausmisten im Jahr 2015!
  Draw Outside #1.1Draw Outside #1.2

Mittwoch, 7. Januar 2015

Weit gereist

Als ich mir am Sonntag mein Fahrrad schnappte, um ein bisschen an die frische Luft zu kommen und im Wald ein paar Fotos zu knipsen, ahnte ich noch nicht, dass ich dort auf einen wunderschönen Mesopotamischen Damhirsch, einen dankbaren Elch und einige scheue Vietnam-Sikahirsche treffen würde. Dass der Ort, den ich anpeilte ein Tierpark ist, wusste ich zwar, rechnete aber trotzdem nicht mit den folgenden Begegnungen.
Es ist ein tolles Gefühl, Tiere zu beobachten, ihnen gegenüber zu stehen und vielleicht sogar in die Augen zu sehen. Kein Wunder, dass Zoos und Wildparks ständig so viele schaulustige Spaziergänger, Hobbyfotografen und Familien anziehen. Besonders für Kinder ist der Besuch einer solchen Anlage ein spannendes und lehrreiches Erlebnis. Ich fand all die Gehegebewohner jedenfalls schon immer sehr faszinierend.
Nun lebe ich aber seit einem halben Jahr vegan (bis auf kleinere "Unfälle") und es stellte sich mir die Frage: Wozu das Ganze?
In besagtem Tierpark scheint es den teilweise hoch bedrohten Huftieren gut zu gehen, sie scheinen sich wohl zu fühlen und werden von engagierten Pflegern betreut. Allerdings zählt Deutschland in den meisten Fällen nicht zu ihren Herkunftsgebieten, stattdessen kommen sie aus dem Iran oder Südost-China und Nordvietnam. Artenschutz sollte unterstützt werden (immerhin ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Menschen zur Gefährdung beitragen, also sollten sie wohl auch versuchen, sie zu verringern). Wäre es jedoch nicht möglich, den aussterbenden Spezies in ihrer natürlichen Umgebung zur Seite zu stehen? Vielleicht würde es auch schon reichen, damit aufzuhören, den Regenwald systematisch abzuholzen, Atommüll zu verbuddeln und massenhaft Treibhausgase auszustoßen.
So heiß und innig ich den Dresdner Zoo während meiner Kindheit geliebt habe, muss ich nun zugeben, dass es eigentlich mehr als unnötig ist, exotische Tiere hierher zu holen, damit wir uns an depressiven und verhaltensgestörten Eisbären stattsehen können.
Was haltet ihr von Zoos und Tierparks?

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Samstag, 3. Januar 2015

Weihnachtsessen

Weihnachtsessen #1 Süßkartoffelpommes mit Rosenkohl und Cashew-Chili-Soße

Zutaten (für eine Portion)
1 große Süßkartoffel
Pflanzenöl
200g Rosenkohl
2 Teelöffel Cashewmus
etwas Wasser
Chiliflocken
Hefeflocken
Salz und Pfeffer

Zubereitung
1. Den Rosenkohl gut abspülen, von Strünken befreien, in einen Topf geben, mit Wasser bedecken und zum Kochen bringen. Anschließend köcheln lassen und ab und zu nachsehen, ob er schon weich ist.
2. Die Süßkartoffel abschrubben und in Streifen schneiden. Öl in einer Pfanne erhitzen, Süßkartoffelstücke hinzugeben, nach Bedarf salzen und pfeffern und darauf warten, dass sie durchgebraten und ein wenig knusprig sind. (Stattdessen kann man sie auch im Ofen backen, falls dieser nicht von omnivoren Mitbewohnern zum Zubereiten eines Entenbratens verwendet wird.)
3. Das Cashewmus mit etwas Wasser anrühren und Chili, Hefeflocken und Salz hinzufügen.
4. Rosenkohl und Süßkartoffeln auf einen Teller geben und mit der Soße beträufeln.

Weihnachtsessen #2